Mittwoch, 1. April 2020

Hallo April!

Schönes hatten wir geplant für den April. Wir wollten in den Osterferien in die alte Heimat reisen, viele liebe Menschen besuchen und Stadtbesichtungen unternehmen. Und ich hatte außerdem einige Aktionen mit Kindern in der aufblühenden Natur vor. Nun geht es uns durch die aktuelle Sitation wie allen anderen, wir bleiben zuhause und versuchen, das Beste aus den nächsten Wochen zu machen.


Im April möchte ich

den kleinen Bruder weiter beim Homeschooling begleiten
weiter "social distancing" praktizieren
 mit der Familie Spaziergänge im Frühlingswald unternehmen
regelmäßiger Walken gehen
meine Rückenschmerzen loswerden 
Geburtstagskuchen backen
den Geburtstag der Großen und des Liebsten feiern
Büsche um/pflanzen
ein oder zwei neue Gartenprojekte umsetzen
unsere Ostereier mit Naturfarben färben
ein Osterlamm und einen Osterkuchen backen
die Ostertage leider nur zu viert verbringen
Bärlauchöl und Veilchensirup herstellen



Dienstag, 31. März 2020

12tel Blick im März

Das Foto ist am Abend des letzten schönen warmen Märztages entstanden. Es war sehr diesig und die Abendsonne hüllte alles in einen warmen Schein.

Und es gibt noch andere Veränderungen zum Februarblick. Zwar wurde das Feld leider nicht umgepflügt, aber es wächst zumindest Gras. Links im Bild wurde Erde ausgebracht. Büsche und Bäume unten am Seeufer blühen gelb und weiß. Auch auf der Blumeninsel, aktuell gerade ohne Besucher, blühen die Weiden. 

Rechts im Foto stehen jetzt weitere Stöcke und es wurden neue Äpfelbäume gepflanzt. Ich habe mir diese mal aus der Nähe angeschaut. Ganz am rechten Bildrand könnt ihr den weithin sichtbaren Otto-Moericke-Turm, den ehemaligen Staader Wasserturm erkennen, in dem heute die Konstanzer Jugendherberge beheimatet ist. Er wird von der Sonne angeleuchtet.

28.03.20  18 Uhr















 März-Blicke sammelt Eva/Verfuchstundzugenäht

Montag, 30. März 2020

2.Zuhause-Woche


Montag, 23.03.20

Morgens gibt es Brei aus Hafermilch und Haferkleie mit Obst zum Frühstück. Die Nacht war frostig kalt und sternenklar, nun lacht die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Ich hoffe sehr, meine Pfirsichblüten sind nicht erfroren. Auf der Straße sind heute, wegen des Versammlungsverbotes, keine spielenden Kinder mehr.

Der Liebste korrigiert Klausuren. Der kleine Bruder arbeitet, mit Unterstützung, an deinen Texten über sein Tier weiter. Ich scanne Fotos aus alten Fotoalben und schicke welche davon meiner Schwester, die Alben für demente Verwandte anlegen will. Die Große erstellt Pläne für Dreharbeiten, von denen sie gar nicht weiß, ob und wann sie zustande kommen. Was ein Glück, dass zum Kaffee für jeden noch genau zwei Zimtknoten vom Sonntag übrig sind. Nervennahrung für alle.

Es sieht draußen so toll aus, aber es sind nur 5C und es ist windig dazu. Ich muss trotzdem raus, ich laufe gleich vom Garten aus los über das Feld und treffe zunächst niemanden. Ich bin echt froh, Mütze und Schal anzuhaben. Der Spielplatz am Ortsrand ist verwaist. Ich spaziere und walke über die Wiesen und Felder, ich entdecke so viel Schönes, das ich immer wieder stehenbleibe und schaue. Forsythien, Schwarzdorn und Wildkirschen blühen, es duftet ganz wunderbar und Rotmilane kreise über mir. Mir begegnen nur wenige Spaziergänger zu zweit oder Mütter mit ihren Kindern.

Abends schreibe ich eine Rückmeldung per Mail an die Lehrerin, sie hatte alle Eltern darum gebeten. Da der kleine Bruder mit der Schularbeit noch nicht so weit ist, wie er sollte, kann ich auch noch kein Foto davon mitschicken. So ist es halt. Zum Abendessen gibt es Pilze mit Spargel in Soße, dazu Reis. Dann wieder Filmabend mit Unsere kleine Farm (Affiliate Link) in Orginalton.











Dienstag, 24.03.20

Beim Bäcker stehen jetzt neuerdings Kisten zwischen der Theke und den Kunden, um einen Sicherheitsabstand herzustellen.
  
Der kleine Bruder hat mal wieder gar keine Lust etwas für die Schule zu tun. Es ist eine Quälerei für alle. Irgendwann beschließe ich, mit ihm rauszugehen. Der Liebste kommt mit und wir gehen gleich vom Garten aus los Richtung Wald. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel und es ist immer noch windig und frisch. Im Wald hören wir den Wind in den Bäumem rauschen, die Baumgipfel schwanken ganz schön. Im Laub unter den Bäumen entdecken wir Buschwindröschen Waldveilchen und Schlüsselblumen. Wir schlagen einen Weg ein, den wir noch nie gegangen sind. Er führt durch einen schönen Mischwald und wir bestimmen Bäume. Homeschooling mal anders. Dem kleinen Bruder macht es Spaß und er ist plötzlich eifrig dabei. Auf einer Lichtung liegen viele unterschiedliche Stämme, die wir dann nur anhand der Rinde versuchen zu bestimmen.

Die Große hat zuhause derweil einen Brownie-Schokokuchen gebacken, den wir uns mit Himmbeer-Quark zum Nachmittagstee schmecken lassen. Der kleine Bruder sitzt dann ganz begeistert an seinem sprechenden Schachcomputer (Affiliate Link, Gerät ähnlich), den er mal von seinem Opa geschenkt bekam. Ich sortiere alte Vereinsunterlagen und hefte sie in Ordner ab. Bin ich froh, dass ich den ganzen Kram nun abgeben kann an den neuen Vorstand des Fördervereins der Grundschule.

Der kleine Bruder schreibt dann noch einen weiteren Text über sein Tier. Während der Liebste Essen kocht, liest der kleine Bruder ihm seine Englisch Lektüre vor.









Mittwoch, 25.03.20

Ganz früh fahren der Liebste und die Große los, den Wocheneinkauf zu machen. Es sind zum Glück kaum andere Kunden im Laden. Es gibt null Toilettenpapier, wenig Nudeln und Mehl. Na das kann lustig werden. Wir fahren hier halt auch nur einmal in der Woche zum Einkaufen in die Stadt. Im Ort haben wir nur eine Bäckerei, eine Metzgerei und ein Gemüselädchen.

Nach dem Frühstück schneide ich die Texte zu, die der kleine Bruder über sein Tier geschrieben hat. Er fertigt dazu Zeichnungen an. Der Liebste arbeitet wegen Rückschmerzen an einem improvisierten  Stehtisch. Dazu stellt er einen Kindertisch auf den Esstisch. Er hat dann eine Telefonkonferenz, die Große lässt sich von mir zeigen, wie die Nähmaschine funktioniert und ist nachher stolz über ihr selbstgenähtes stoffbezogenes Haargummi. Ich mache eine Bestellung bei Ikea fertig. 

Der kleine Bruder und die Große fahren kurz Fahrrad, aber es ist unangenehm kalt im Gesicht. Ich drehe eine Walkingrunde. Am Lieblingsstrand lasse ich mich ordentlich durchpusten. Die Sturmwarnung blinkt und der starke Wind lässt herrliche Wellen entstehen. Ich entdecke einen Windsurfer und beobachte ihn eine Weile, indem ich mich windgeschützt hinter einen Baum hocke.

Abends ruft mich die Lehrerin des Jüngsten zurück, wir überlegen wie das Homeschooling optimieren können. Der Schlagzeug-Lehrer vom kleinen Bruder schickt Noten und Videos. Die Grüne Kiste wird heute erst gegen 20Uhr gebracht, dort häufen sich die Bestellungen, was mich für das Hofgut Rengoldshausen freut, aber die Mitarbeiter sind an ihrem Limit und ab jetzt können keinen neuen Kunden mehr aufgenommen werden. 

Die Kids bekommen eine Pizza, wir essen Reste. Nach dem Essen spielen wir ein paar Runden Wizard (Affiliate Link). Mit dem Liebsten schaue ich dann noch den Kölner Tatort in der Mediathek.






Donnerstag, 26.03.20

Es ist bedeckt und kalt. Ich habe heute für nichts richtig Lust.

Der kleine Bruder hätte ja dieses Woche eigentlich seinen Friseurtermin gehabt. Und weil der Haarschnitt nötig ist, übernimmt das heute der Liebste, der das früher bei unseren Kindern gemacht hat. Der Jüngste macht Mathe mit dem Liebsten und arbeitet dann an seinem Tierbuch-Deckblatt. Die Große macht uns mittags Smoothies mit Spinat, Brennessel, Karotten, Zitrone und vor allem Ingwer und etwas Kresse. Ich sortiere Unterlagen und räume auf. Dann pflanze ich meine jungen Gemüsepflänzchen in größere Töpfe um. 

Ein bisschen lockert der Himmel auf und der Liebste, der kleine Bruder und ich drehen dann eine schöne Runde um den Ort. Am Bach blühen überall Buschwindröschen. In einem Gebüsch entdecken wir ein Nest mit Amseleiern. Ein Stück des Weges verläuft auch durch ein uns bisher unbekanntes Wäldchen und wir sehen am Wegesrand Waldveilchen, Gepflecktes Lungenkraut und Schlüsselblumen. Wir sind herrlich entspannt unterwegs und irgendwie ist es gerade schön, unter der Woche Zeit zu haben für gemeinsame Spaziergänge und Spiele.

Ein bisschen Frühling, Zweige von der Wildkirche, nehme ich mit für zuhause. Ich telefoniere mit der Verwandschaft und während der Liebste Linsensuppe kocht, backt die Große uns Waffeln dazu.











Freitag, 27.03.20

Ein denkwürdiger Tag für uns. Heute vor 25 Jahren wurden wir zum ersten Mal Eltern. Am Grab unserer besonderen Tochter zünden wir eine Kerze an.

Die Post kommt heute erst um 15 Uhr! Puh, das sind drei Stunden später als normal. Ich habe, um meinen kleinen Lieblingsbuchladen zu unterstützen, dort Bücher bestellt. Da kommen nun zuerst  Natürlich färben mit Pfanzen und Essbare Wildsamen  (beides Affiliate Links), mit denen ich mich beschäftigen will. Es ist heute nicht mehr so kalt. Ich arbeite im Garten, topfe Zimmerpflanzen um, bereite Pflanzlöcher für zwei Bäumchen vor, pflanze Efeu an die benacharte Holzwand und säe Blumen. Wir hängen ein Vogelhaus im Schwedenlook (Affiliate Link) im Kirschbaum auf. 

Der Liebste muss nun planen, wie er seinen Vorlesungen halten wird, denn das Sommersemester an der Uni wird nicht mit den üblichen Vorlesungen stattfinden. Wir hören, dass Landesgartenschau in Überlingen nicht wie geplant am 23. April eröffnet wird. Ein neuer Termin wurde aufgrund der unsicheren Lage nicht festgesetzt. Am Abend hält Papst Franziskus auf dem menschenleeren Petersplatz eine besondere Andacht und spendet den Segen Urbi et Orbi für die Welt in Zeiten der Corona-Pandemie. 





Samstag, 28.03.20

Beim Bäcker stehen die Leute jetzt in langer Reihe, in Abständen von zwei Metern vor der Türe bis an die Straße. Nur noch zwei Kunden düfen gleichzeitig rein.
  
Ansonsten fühlt sich der Samstag ganz normal an. Es wird angenehm warm und in den Nachbargärten wird gewerkelt, betoniert oder mit Holz gebaut. Auch wir sind die meiste Zeit im Garten. Ich verteile Kompost an Bäume und Sträucher und entferne den Draht von den Insektenhotels und räume Zapfen, Holzwolle und Bambusstücke aus. Für Wildbienen sind diese darin unnütz, das habe ich beobachtet und z.B. dort gelesen.
  
Die Große überrascht uns mit künsterlich verzierten Amerikanen, die wir uns zum Tee auf der Terrasse schmecken lassen. Der Liebste spielt dann mit dem kleinen Bruder Wikinger Schach auf dem Acker hinterm Garten.
 
Ich brauche noch ein wenig Training. Ich drehe eine Runde mit dem Rad, zum Nachbarort und zurück. Auf dem Weg oberhalb des Sees sind einige Leute unterwegs, zu Fuß oder auf dem Rad.In der Luft hängt abwechselnd der Geruch nach Holzfeuer, von Baumschnitt, der verbrannt wird, und der betörende Duft von Blüten. Ich höre einen Grünspecht rufen und das Trommeln eines Buntspecht. Herrlich. An meiner 12telBlick-Stelle bin ich so außer Atem, dass ich mich erstmal auf die Bank setze. Dann fahre ich weiter zum Tulpenfeld, wo ich ein paar Frauen treffe. Ich versuche Abstand zu halten, habe aber mein eigenes Messer zum Abschneiden der Tulpen vergessen. Hmpf. Ich schneide mir einen Strauß, muss etwas suchen, weil die allermeisten Tuplen noch grün sind. Bei den letzten Sonnenstrahlen fahre ich zurück.
  
Zur Earth Hour schalten wir alle Lampen im Haus aus. Ich telefoniere fast eine Stunde. Die Familie geht hoch zur Kirche, wo man Aussicht über den See hat, um zu beobachten, ob Überlingen seine Lichter ausschaltet, aber passiert nicht. Nur die Beleuchtung an unsere Kirche wird pünklich abgeschaltet.








Sonntag, 29.03.20

In der Nacht werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Es ist grau und kalt und gegen Mittag regnet es leicht. Ich hoffe auf mehr Regen, denn die Erde ist sehr trocken. Wir verbringen den Tag ganz entspannt. Wir frühstücken spät und gemütlich.
  
Wir lesen und spielen. Zum Kaffee lassen wir uns die restlichen Amerikaner vom Vortag schmecken.  Wir bekleben gemeinschaftlich die Seiten mit den Texten und Zeichnungen, die der kleine Bruder in den letzten beiden Wochen angefertigt hat. Aus allen von den Schülern gestalteten Seiten zusammen wird die Lehrerin ein Tier-Buch binden.
  
Abends machen wir Hefeteig zum ersten Mal mit (dem letzten ergatterten Päckchen) Trockenhefe und die Große schnipselt Gemüse und reibt Käse. Daraus bereiten wir ein Blech Pizza zu. Und es ist nun bis etwa 20Uhr hell.
 



Freitag, 27. März 2020

25 Jahre


25 wäre heute unsere Erstgeborene geworden. Das hätten wir sicher alle zusammen gefeiert. Seit 25 Jahren, einem Vierteljahrhundert, bin ich also damit heute auch Mutter. Der Gedanke macht mich froh und traurig zugleich.

Heute vor 25 Jahren ging es mir nicht gut. Ich hatte vorsorglich wegen eines möglichen Neuralrohrdefektes des Babys einen Kaiserschnitt in Vollnarkose in einer Uniklinik. Da ich bei der OP viel Blut verloren hatte, war mir schwindelig, ich hatte ziemliche Schmerzen, bekam aber kaum Schmerzmittel und ich konnte mein Kind nicht sehen. Es dauerte Tage, bis ich in der Lage war, die Kinderklinik per Rollstuhl zu erreichen.

Vor 9 Jahren, am 1.März 2011, ist unsere Magdalena gestorben und wir haben uns irgendwie mit der Zeit damit abgefunden. Unser Leben mit den anderen Kindern ging weiter und in diesen letzten Jahren haben wir als Familie vieles zusammen erlebt. Aber die Trauer um unsere besondere Tochter verging nicht allmählich, sie bleibt. Es ist die Trauer um dieses kurze Leben, das so ganz anders als das anderer Kinder war: Leidvoll, eingeschränkt, behindert. Und immer ist da auch noch der Gedanke über das Warum.

Ich sage, wenn ich mich heute irgendwo vorstelle, immer noch: Ich bin vierfache Mutter. Denn schließlich habe ich vier Kinder geboren, geliebt und begleitet. Auch wenn heute eines davon nicht mehr lebt. Ich kann und will dieses Kind nicht totschweigen. Und in meinem Herzen wird es immer einen Platz haben.



Sonntag, 22. März 2020

1.Zuhause-Woche


Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.
Marcus Tullius Cicero


Das Wetter war in dieser ersten Woche mit Ausnahmesituation unverschämt schön. Die Natur explodiert gerade und die Büsche und Bäume beginnen zu blühen und zu grünen. Ich habe gemerkt, wie wichtig es für mich ist, jeden Tag mindestens einmal raus in die Natur zu gehen. Das Durchatmen und die Bewegung an der frischen Luft hilft mir gegen den Koller, lässt mich an anderes denken und erdet mich. Ich bin in diesen Tagen so dankbar, das wir hier gleich Felder, Wiesen und Wald vor der Haustüre, bzw. hinterm Haus haben. In der Stadt zu leben, mag ich mir gerade gar nicht vorstellen.
 
Hier im Stil eines Tagebuchs eine kleine Zusammenfassung, wie wir die vergangenen Tage, seit dem letzten Schultag, so erlebt haben.


 
Dienstag 17.03.20

Auch im kleinen Laden in Nachbarort gibt es kein Mehl, keinen Zucker, kein Salz, kein Tomatenprodukte, keine Nudeln, kein Küchenpapier und die allermeisten Regale sind nicht mehr richtig gefüllt, es ist gruselig. Ich mache eine Bestellung in der Apotheke für Nahrungsergänzungsmittel, die der kleine Bruder und ich verordnet bekamen, das funktioniert, aber mir wird gesagt, dass man viel zu tun habe. Ich fahre weiter zur Baumschule und kaufe Sträucher und Frühblüher. Ich versuche mich fern von anderen Menschen zu halten und lasse mir viel Zeit.

Der Liebste und der kleine Bruder machen eine Fahrradtour. Die Große packt ihre Tasche aus und richtet sich zuhause wieder ein. Sie geht im Wald spazieren, sucht sich alte Äste und baut sich einen Bilderrahmen. Im Garten öffnen sich jetzt die Blüten des Pfirsichbäumchens an der Hauswand und haben bereits Wildbienenbesuch. Meine Amazon-Bestellung dauert bereits ungewöhnlich lange. Abends schreibe ich noch länger mit einer Freundin.



 
Mittwoch, 18.03.20

Die ersten Geschäfte müssen schließen. Ich wasche meine Haare, in der Sonne im Strandkorb auf dem Balkon lasse ich sie dann trocknen. Nachmittags fahre ich zuerst zu Apotheke, um meine Bestellung abzuholen. Es gibt jetzt Abtrennungen aus Plexi-Glas zum Schutz der Angestellten. Ich habe meinen Kulli vergessen und muss jetzt doch mit dem unterschreiben, den schon andere angefasst haben. Ich mache dann einen Spaziergang auf der Blumeninsel. Am Eingang darf ich meine Jahreskarte selbst scannen. Ich bewundere Teppiche mit Frühblühern, erste Tulpen und massenweise Osterglocken und genieße die milde Frühlingsluft,  den intensiven Blütenduft und das Vogelkonzert. Fotos von meinem Ausflug habe ich hier schon gezeigt. Ich ärgere mich über manche uneinsichtige Besucher, die einfach den Sicherheitsabstand nicht einhalten.

Auf dem Rückweg halte ich am Tulpenfeld zum Selberpflücken und suche einen Strauß Tulpen aus, die Betonung liegt auf Suchen. Der Liebste und der kleine Bruder drehen eine Fahrradrunde. Ich hänge kurzentschlossen die vor Jahren mal von den Kids bemalten bunten Kunststoff-Eier im Vorgarten auf. Obwohl hier in der Staße alle Kinder auf der Straße spielen, lassen wir den kleinen Bruder nicht mehr mitspielen, wir alle wollen unseren Beitrag zur Eindämmung des Virus leisten.
 
Die Grüne Kiste wird geliefert,  dort gibt es auch schon eine größere Anfrage. Schweren Herzens storniere ich unsere Ferienwohnung in Köln für die Osterferien. Ich telefoniere mit der Verwandtschaft und sage auch unsere Besuche ab. Abends lese ich, dass die Blumeninsel ab sofort gesperrt wird. Und das, wo das Gartenjahr doch eigentlich am Freitag beginnt.



  
Donnerstag, 19.03.20

Ich habe schlecht geschlafen, zu viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich habe Husten bekommen, aber kein Fieber. Die Große und der Liebste fahren früh zum Einkaufen, trotzdem bekommen nicht alles, was sie kaufen wollten. Anschließend wird gemütlich gefrühstückt.

Ich lese im Strandkorb in T-Shirt und kurzem Rock auf dem Balkon und hole mir sogar schon etwas Farbe im Gesicht. Der Liebste erklärt dem kleinen Bruder Mathe. So richtig gut läuft es nicht mit den Schularbeiten, der kleine Bruder ist ohne ständiger Aufsicht nicht bereit, etwas zu tun. Ich überfärbe unseren Hängesessel mit Textilfarbe zum Färben in der Waschmaschine (Affiliate Link). Das funktioniert prima, es entsteht ein etwas grünstichtiges Grau. Das zusätzlich benötigte Kilo Salz zu bekommen, war gar nicht so einfach. Frage mich nur, was andere mit solchen Mengen Salz machen?
 
Die Große macht eine Radtour durch den Wald. Ich säe Gemüse und Blumen aus. In der Küche auf dem Fensterbrett wachsen schon Tomatenpflanzen, Zucchini, Minigurken und Paprika heran. Wildbienen und Schmetterlinge fliegen. Am Nachmittag lesen wir, dass die Stadt Konstanz ab sofort alle Ansammlungen im öffentlichen Raum mit mehr als fünf Personen verbietet – Familien sind davon ausgenommen. Der Schritt diene der Vermeidung einer Ausgangssperre für alle Konstanzer und letztlich der Verzögerung bei der Ausbreitung des Corona-Virus.
    
Am frühen Abend macht der Liebste ein Feuer im Garten, wir bereiten Salate, grillen Fleich, Würschen und Halumnie, rösten Brot und genießen die selbstgemachte Bärlauch-Butter darauf. Sitzen unterm Sternenhimmel.


   
Freitag, 20.03.20 Kalendarischer Frühlingsanfang
 
Morgens schreibt das Maikind aus Freiburg, das dort ab Samstag eine eingeschränkte Ausgangssperre verhängt wurde. Es ist ein Betretungsverbot für öffentliche Plätze, Anlass sei die Nachbarschaft zum Elsass.
  
Ich stelle eine Waschmaschine an, die Wäsche kann heute nochmal draußen trocknen. Die Post stellt Pakete nun nur noch vor der Türe ab. Die endlich gelieferten Tischtennisschläger kommen nun aber leider wohl nicht mehr zum Einsatz. Der Liebste, der kleine Bruder und ich gehen zum Friedhof ans Grab unserer Besonderen Tochter. Da wir seit dem Winter dort nichts mehr getan haben, haben wir eine Weile zu tun. Frühlingsblumen hätte ich jetzt gerne gepflanzt, aber das geht ja jetzt wohl nicht mehr... 

Die Große und ich mixen uns Smothies aus Salat, Spinat, Obst, Mandel- oder Erdnussmus, Milch oder Saft und mit Wildkräuter-Blättchen aus dem Garten. Wir verwenden zum Pürieren einen Stabmixer (Affiliate-Link). Der Liebste sägt ein paar Zentimeter der Beine von unserer Gartenbank ab, weil diese zu hoch für unseren Tisch auf der Terrasse war. Ich hänge den Hängesessel auf, der etwas eigenwillige neue Farbton passt doch ganz gut zur Garagenwand. Der kleine Bruder arbeitet neben Mathe an  seinem Tierthema. Er sucht auf Kinderseiten passende Texte über sein Tier, druckt sie aus und schreibt Stichpunkte raus. 

Die Große geht Joggen. Ich drehe dann noch eine Runde mit dem Rad um den Ort und halte Abstand zu Spaziergängern. Am Lieblingsstrandbad sind das Volleyballfell und der Spielplatz mit Flatterbändern gegen Betreten abgesperrt. Am Horizont hängt ein Regenschleier. Ein Storch brütet, man sieht kaum seinen Kopf über den Rad des Horstes herausschauen. Über eine frisch gedüngte Wiese und an umgepflügten Feldern vorbei radele ich zurück.
  
Weil es endlich mal wieder regnen soll, dünge ich noch rasch im Garten den Rasen. Der Liebste und die Große kochen Lachs, Nudeln und Brokkoli. Bald gibt es hier keine glutenfreien Nudeln mehr, unser Vorrat ist aufgebraucht...






    
Samstag, 21.03.20

In der Nacht hat es leicht geregnet, morgens ist schon wieder alles trocken. In Baden-Würtemberg sind Gruppenversammlungen im öffentlichen Raum ab heute verboten. Es dürfen „nicht mehr als drei Personen“ zusammenkommen, ausgenommen sind Eltern mit ihren Kindern. Gaststätten und Restaurants dürfen ab sofort in ihren Räumlichkeiten und auch im Außenbereich keine Gäste mehr bewirten. 

Beim Bäcker dürfen uns Brot und Brötchen nun nicht mehr in den mitgbrachten Beutel gegeben werden! Wir sitzen gerade beim Frühstück, als meine Bestellung geliefert wird: Sechs Paletten. Ich möchte daraus demnächst eine Sitzecke bauen. Der Liebste und ich haben Rückschmerzen. Wir machen immer wieder mal Dehnungsübungen und wir arbeiten am Loptop jetzt im Stehen. Anstatt an seinen Schulaugaben zu bleiben, entdeckt der Jüngste in seinem Schrank 50 Karten mit Optischen Täuschungen (Affiliate Link) und führt sie uns allen vor.
 
Ich backe glutenfreie Haferkekse, mit und ohne Schoko-Tröpfchen, die sind schnell gemacht und wunderbar zart. Die Große deckt den Tisch frühlingsfein und dann lassen sie uns die Kekse zum Chai-Tee schmecken.  Ich mache einige Telefonate, denn ich sorge mich um unsere Eltern und älteren Verwandten.
    
Der Liebste kocht uns eine leckere Lasagne und dazu Wintersalat. Wie schon die Tage davor, schauen wir eine Folge von Unsere kleine Farm (Affiliate Link). Wir haben (in Erinnerung an unser Jahr in Minnesota, dem Schauplatz der Serie) mit den Jahren alle Staffeln gekauft und mit den großen Kindern gesehen. Seit sie auf dem Gymnasium waren, wurde meist auf Englisch geschaut, da haben wir viel bei gelernt. Nun ist der kleine Bruder soweit, sie ebenso auf Englisch zu sehen.



       
Sonntag, 22.03.20

Die Sonne scheint schon wieder, aber es ist kalt geworden und etwas windig. Wir sind nur kurz im Garten. Der Liebste arbeitet und der kleine Bruder hin und wieder. Ich räume die Küche auf und mache den Abwasch von Sachen, die ich nicht in die Spülmaschine gebe. Die Große saugt das Erdgeschoss durch.

Ich setze Hefeteig an und die Große hilft mir dann, Zimtknoten zu wickeln. Interessant, dass es unterschiedliche Anleitungen dazu im Netz gibt. Sie werden nicht perfekt, aber sie schmecken sehr fein. Wir genießen sie noch warm und der Liebste und ich trinken Zimttee dazu. Der Nachmittag vergeht ratzfatz. Ich mache eine Abrechnung und sortiere Unterlagen.

Bund und Länder beschließen ein Kontaktverbot. Damit sind jetzt Ansammlungen von mehr als zwei Personen verboten, ausgenommen sind Angehörige, die im geichen Haushalt leben. Schließen müssen alle Restaurants und Friseure.
Zur Eindämmung der Corona-Krise werden Ansammlungen von mehr als zwei Personen in ganz Deutschland verboten. Ausgenommen werden Angehörige, die im eigenen Haushalt leben. Schließen müssen alle Restaurants und Friseure. Darauf verständigten sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in einer Telefonkonferenz am Sonntag.
 
Kontaktverbot von Bund und Ländern beschlossen – damit verhängt die Politik bundesweit drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Eine Ausgangssperre gibt es aber nicht. Was die Maßnahmen konkret bedeuten.
Zur Eindämmung der Corona-Krise werden Ansammlungen von mehr als zwei Personen in ganz Deutschland verboten. Ausgenommen werden Angehörige, die im eigenen Haushalt leben. Schließen müssen alle Restaurants und Friseure. Darauf verständigten sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in einer Telefonkonferenz am Sonntag.
Bund und Ländern
Bund und Ländern
Abends kochen die Große und der Liebste ein Indisches Curry. Von unserer Chorleiterin erfahre ich, dass die Schulen in der Schweiz sehr viel länger als angekündigt, im Kanton Thurgau bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben! Das wird ja dann hier wohl nicht viel anders sein. Na, das sind ja Ausichten!


























Stay home – stay safe!