Der November ist für mich auch immer der Monat, der mich an meine Chemo zurückdenken lässt. In den Herbstferien vor genau vier Jahren, am 03.11.2011, begann ich die Chemotherapie. Eine Zeit, an die ich mich nicht
gerne erinnere.
Im Nachhinein betrachtet war das Timing für den Beginn der Chemo ungünstig, der November macht mich so schon häufig
melancholisch und leicht depressiv. Ich hatte, immer im Anstand von drei Wochen, erst drei
Sitzungen mit der Dreier-Kombi aus Epirubicin, Cisplatin und 5-Fluoruracil, dann drei Sitzungen mit Taxotere oder Docetaxel. Alle habe ich ambulant hier im Facharztzentrum des Klinikum Konstanz gemacht. Ich hatte die Termine jeweils so gelegt, dass der Liebste sich freinehmen und mich
begleiten konnte.
Dazusitzen und zu beobachten, wie diese Beutel mit Zytostatika in meine Venen liefen, fand ich schrecklich. Ich hatte mir zur Verabreichung der Zytostatika, auf anraten der Ärzte, vorher einen Port unter die Haut unterhalb des Schlüsselbeins einlegen lassen, der als kleine Erhebung erkennbar war.
Der erste Termin war der
schlimmste, denn schon in der Klinik hatte ich massive Kreislaufprobleme und mir war so übel, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Während der 15 Minuten-Heimfahrt
hing ich auf dem Autositz am offenen Fenster und dachte, ich sterbe. In der
Nacht rebellierte mein Magen dann endgültig gegen den Giftcocktail und ich
musste mich alle halbe Stunde übergeben. Danach sackte ich jedesmal im Bad vor
dem offenen Fenster auf den kühlen Fliesenboden und blieb liegen, bis ich mich
wieder ins Bett schleppen könnte.
In den nächsten Tagen fühlte
ich mich sehr kraftlos, die Treppe rauf und runter zu kommen, war schon eine große
Herausforderung. An den ganz schlimmen Tagen kam eine Familienpflegerin ins Haus, die sich um Kinder und Haushalt kümmerte. Zwei Wochen nach diesem ersten Termin begannen mir dann auch die Haare auszufallen.
Bei den nächsten Malen habe ich mich anders auf die Chemo-Sitzung vorbereitet, d.h. ich habe vorher alle nur möglichen Medikamente gegen Übelkeit und Brechreiz eingenommen.
Die drei sich daran anschließenden Sitzungen mit Taxotere habe ich anders erlebt als die ersten drei mit ECF. Das Taxotere verursachte keine Übelkeit und in den ersten zwei Tagen danach fühlte ich mich normal. Am dritten Tag gingen die Schmerzen in den Muskeln los, die ein paar Tage anhielten. Dagegen nahm ich Schmerzmittel, wenn es mir zuviel wurde.
Bei den nächsten Malen habe ich mich anders auf die Chemo-Sitzung vorbereitet, d.h. ich habe vorher alle nur möglichen Medikamente gegen Übelkeit und Brechreiz eingenommen.
Die drei sich daran anschließenden Sitzungen mit Taxotere habe ich anders erlebt als die ersten drei mit ECF. Das Taxotere verursachte keine Übelkeit und in den ersten zwei Tagen danach fühlte ich mich normal. Am dritten Tag gingen die Schmerzen in den Muskeln los, die ein paar Tage anhielten. Dagegen nahm ich Schmerzmittel, wenn es mir zuviel wurde.
Die schlimmste Nebenwirkung für mich bei diesem Zytostatika war aber der Verlust des Geschmacks. Ich konnte irgendwann so gut wie nichts mehr schmecken. Es war, als ob ich Pappe essen müsse. Und trotzdem hatte ich Hunger und musste etwas zu mir nehmen, brachte aber nichts runter. Ich ernährte mich nachher fast nur von kräftig gewürzten Kartoffelchips und Printen, die ich mir extra (die Weihnachtszeit war vorbei) in Aachen bestellt hatte. Die Beeinträchtigung des Geschmacksinns hielt noch einige Monate nach der Chemo an. Ich habe dadurch 15 Kilo abgenommen.
Während der ganzen Chemozeit hatte ich keine Motivation mehr, das Haus zu verlassen, die Tage zogen sich wie Kaugummi. Der kleine Bruder (damals vier Jahre alt) war immer bei mir zu Hause, denn aus Angst vor Ansteckung hatte ich ihn in der ganzen Zeit nicht in die Kita gelassen. Leider sackten meine Leukos trotzdem jedesmal so in den Keller, dass ich die ekligen Aufbauspritzen brauchte. Außerdem sollte ich jedesmal als Prophylaxe starke Antibiotika nehmen.
Das Ganze zog sich bis in den Februar. Schon bald danach habe ich mit den Port wieder entfernen lassen. Da ich das Teil immer als unangenehmen Fremdkörper empfunden hatte, konnte ich es auch nicht, wie Andere, einfach drinlassen und "vergessen". Die Haare begannen wieder zu wachsen, anfangs waren sie sogar lockig, obwohl ich glatte Haare hatte. Im Mai trug ich zum ersten Mal keine Perücke oder Tuch mehr. Es waren zwar nur Stoppeln, aber mir war es einfach zu warm auf dem Kopf.
Ich habe im Anschluss an die Chemo um die Osterzeit herum noch eine Bestrahlung gehabt. Ich habe keine Reha gemacht, ich wollte es nicht. Stattdessen bin ich in diesem Sommer mit meiner Familie an die Côte d'Azur gefahren. In dem Sommer begann ich auch mein Blog zu schreiben.
| September 2012 an der Cote d`Azur: Sie wachsen wieder:-) |